Die Kreativwirtschaft ist eine vergleichsweise junge Branche und Experten wie Behörden tun sich noch schwer mit einer genauen Definition. Spätestens seit den ersten Bundesstudien sowie dem ersten Kulturwirtschaftsbericht der sächsischen Landesregierung aber hat man auch im Freistaat Sachsen das Potenzial dieser Dienstleistungsbranche erkannt und schwärmt von den hohen Zuwachsraten bei Wachstum und Beschäftigung, die in anderen Wirtschaftszweigen längst passee sind. In der Öffentlichkeit hat man die Kreativwirtschaft mittlerweile als eigenständigen, finanzkräftigen, beschäftigungssichernden – also zukunftsfähigen Wirtschaftsbereich – akzeptiert. Immer mehr Städte und Regionen entdecken die Kreativwirtschaft für die eigene innovative Ausstrahlung auf Investoren. Damit verbunden wird die Hoffnung auf Ansiedlungen und Bevölkerungszuwachs. Laut Forschungsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums „Gesamtwirtschaftliche Perspektive der Kultur- und Kreativwirtschaft“ von 2008 setzen Deutschlands Kreative jährlich 132 Milliarden Euro um. Die Branche beschäftigt mit 763.000 Erwerbstätigen mehr Menschen als die Automobilindustrie. Allein die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft erzielt mit 8.500 Unternehmen und rund 40.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro. Der aktuelle Kulturwirtschaftsbericht erwartet mehr als 90.000 Beschäftigte in den nächsten Jahren.
Auch in Leipzig hat man die Zeichen der Zeit erkannt und setzt auf die Kreativwirtschaft als Standortfaktor. Für Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht steht fest: „Eine blühende Kreativwirtschaft ist ein zentraler Faktor für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region und sie verbessert die Außenwirkung der Stadt enorm. Deshalb haben wir der Branche in unserer Clusterstrategie breiten Platz eingeräumt.“ Wo es hingehen soll, zeigen die Kulturwirtschaftsberichte anderer Großstädte in Deutschland. Danach erzeugen beispielsweise im Großraum Köln 16.500 Unternehmen mit rund 60.000 Beschäftigten einen jährlichen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro. In Bremen sind es bei rund 1.700 Unternehmen immerhin 620 Millionen Euro. Die Bundeshauptstadt Berlin gibt gar 23.000 Unternehmen, 160.000 Beschäftigte und einen Jahrsumsatz von 17,5 Milliarden Euro an.
Bürgermeister Albrecht verweist auf die guten Ausgangsbedingungen in Leipzig. Mit mehr als 1.900 Betrieben erreicht die Kultur- und Kreativwirtschaft einen Anteil von 8,4 Prozent an der gesamten Leipziger Wirtschaft. „Die Messestadt hat mit der Buchmesse, der breiten Universitäts- und Hochschullandschaft – vor allem mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie der Hochschule für Musik und Theater – eine vielfältige professionelle Szene und ein gut entwickeltes soziokulturelles Umfeld. Das sind beste Voraussetzungen, ein Hotspot der Kreativen in Mitteldeutschland zu werden.“
Hintergrund
Definition: „Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen. Das Wirtschaftsfeld Kultur- und Kreativ wirtschaft umfasst folgende elf Kernbranchen oder Teilmärkte: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Film- wirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt sowie Software/Games-Industrie. Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der so genannte schöpferische Akt. Damit sind alle künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalte, Werke, Produkte, Produktionen oder Dienstleistungen gemeint, die als wirtschaftlich relevanter Ausgangskern den elf Teilmärkten zugrunde liegen.“
(Aus dem Forschungsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums „Gesamtwirtschaftliche Perspektive der Kultur- und Kreativwirtschaft“ von 2008)
Quellen und Literaturhinweise:
Amt für Wirtschaftsförderung Leipzig (www.leipzig.de)
Kulturwirtschaftsbericht 2008, Freistaat Sachsen (www.smwa.sachsen.de)
Forschungsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums „Gesamtwirtschaftliche Perspektive der Kultur- und Kreativwirtschaft“, 2008
Kulturwirtschaftsberichte Köln, Berlin und Bremen

