Am 22. Januar 2026 erhielt der Publizist Marko Martin in Leipzig den mit 7.500 Euro dotierten Werner-Schulz-Preis. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Werner-Schulz-Initiative e.V. Personen, die aktiv für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und eruopäische Vetständigung wirken. Die öffentliche Preisverleihung fand am Geburtstag des 2022 verstorbenen Grünen-Polikers Werner Schulz im Rahmen einer Festveranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Friedliche Revolution auf dem Mediencampus Villa Ida in Leipzig statt.
Die Laudatio hielt die Bundestagsabgeordnete und politische Weggefährtin von Werner Schulz, Katrin Göring-Eckardt. Sie würdigte den Preiträger als streitbaren Beobachter gesellschaftlicher Misstände und als wachen Verteidiger der Demokratie. „Er lässt uns teilhaben an seiner Sicht auf die Welt und die Orte, die er besucht. Sei es Tel Aviv, sei es Havanna oder sei es Hongkong. Sei es der Kampf gegen Antisemitismus, die Auseinandersetzung mit kommunistischer Diktatur oder die Geschichten der Gerechtigkeitskämpfer dieser Welt. Überall sieht er, was uns auf der Welt miteinander verbinden sollte: Freiheit – oder eben deren Fehl.“
Auch brauche es in diesem wahlpolitisch so wichtigem Jahr, so Göring-Eckardt weiter, Menschen wie Marko Martin, „die mit biografischem Bewusstsein und intellektuellem Klarsinn vor den Gefahren, die vor allem durch die Rechtsextremen der AfD für unser Land, für unsere Gesellschaft, ja, für unsere Freiheit ausgehen, warnen können.“
In seiner Dankesrede appellierte Martin, dass jetzt die Zeit wäre „für ein Engagement, das über die „Achtsamkeit“ des heute üblichen Aktivismus deutlich hinausgeht“ und forderte eine aktive Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf gegen de Aggressor Russland: „Versuchen wir, auch im Alltagsleben, Verbindungen herzustellen zwischen unseren Freunden und Freundinnen in Osteuropa und im Baltikum und jenen im Süden, deren Eltern und Großeltern einst so erfolgreich Salazar und Franco hinter sich gebracht hatten. Versuchen wir, sie zu überzeugen, dass der Widerstand der Ukraine doch auch ihre ureigenste Angelegenheit sein müsste, unsere gemeinsame finest hour. Wann, wenn nicht jetzt?
Thomas Vogel, Vorsitzender des Vorstandes der Werner-Schulz-Initiative, die den Preis 2025 ins Leben gerufen hatte, ergänzt; „Wir möchten besonders auch Martins Engagement für die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, der Würdigung der Dissidenten in ganz Osteuropa und seine Mahnungen hinsichtlich der Gefahren, die von AfD und BSW ausgehen, ehren“.
Die Preisverleihung wurde von der Bundestiftung Aufarbeitung sowie der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig gefördert. Das Preisgeld stiftete die Sparkasse Leipzig.
Marko Martin wurde 1970 im sächsischen Burgstädt geboren, nur 50 Kilometer von Zwickau, der Geburtsstadt von Werner Schulz entfernt. Im Mai 1989 verließ er als Kriegsdiensttotalverweigerer die DDR und lebt, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller in Berlin. Neben literarischen Tagebüchern zu Tel Aviv, Hongkong, Kuba und Südafrika erschienen in der Anderen Bibliothek zwei Erzählbände sowie der Porträtband „Dissidentisches Denken“, der vor allem an die Widerständigkeit ostmitteleuropäischer Autoren und Autorinnen erinnert. Zuletzt erschienen: „Brauchen wir Ketzer? Stimmen gegen die Macht“, „Und es geschieht jetzt. Jüdisches Leben nach dem 7. Oktober“ sowie aktuell der Essayband „Freiheitsaufgaben“. 2016 war Marko Martin, Mitglied des PEN, Stadtschreiber in Wroclaw.
Über die Werner-Schulz-Initiative
Die Werner-Schulz-Initiative e. V. wurde von einer Gruppe von Freund*innen, ehemaligen Wegbegleiter*innen aus Politik und Zivilgesellschaft ins Leben gerufen, um in diesem Sinne dauerhaft die Erinnerung an Leben und Wirken von Werner Schulz aufrecht zu erhalten. Dazu gehört die Förderung internationaler Gesinnung, des Gedankens der Völkerverständigung sowie des bürgerschaftlichen Engagements zur Stärkung der Demokratie und der Zivilgesellschaft auf allen Ebenen. Zu diesem Zweck betreibt die Initiative Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Sichtbares Zeichen dafür ist unter anderem die Schaffung und Auslobung des Werner-Schulz-Preises. Erste Preisträgerin war 2025 die Aktivistin und Menschenrechtlerin Ina Rumiantseva. Seit 2025 vergibt die Initiative mit Unterstützung und Förderung durch die Heinrich-Böll-Stiftung und Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung Werner-Schulz-Stipendien, um politisch aktive Menschen zu fördern, die sich in herausragender Weise für zentrale und aktuelle Anliegen einer gemeinsamen europäischen Verständigungs- und Demokratie-Agenda engagieren.
