Versorgungssicherheit wird konkret: Das Ostdeutsche Energieforum
2026 bringt die Macher der Energiezukunft zusammen
Geopolitische Konflikte wie in der Ukraine, im Nahen Osten oder im Iran
setzen die internationale Energiewirtschaft unter Druck. Sie zeigen, wie schnell Gewissheiten in sich zusammenfallen, Importquellen versiegen, Lieferwege ausfallen, Abhängigkeits-Fallen sichtbar werden. Hauptleidtragende sind neben energieintensiven Industrien vor allem die mittelständische
Wirtschaft und Kommunen. Sie leiden unter Kostendruck und müssen mit klammen Haushalten energiepolitische Vorgaben umsetzen.
Versorgungssicherheit ist daher zurück im Zentrum der energiepolitischen Debatten. Das zeigt die Diskussion um gesicherte Kraftwerkskapazitäten ebenso wie der wachsende Strombedarf durch Rechenzentren und Industrie. Für Unternehmen, Stadtwerke und Kommunen geht es dabei nicht um Grundsatzfragen, sondern um Planung, Investitionen und Betrieb.
Das 15. Ostdeutsche Energieforum setzt genau hier an: Es richtet den Blick auf diejenigen, die die Energiewende vor Ort umsetzen – Netzbetreiber, Stadtwerke, Kommunen, Industrie, Wissenschaft und Projektentwickler. Vom 30. September bis 1. Oktober 2026 werden in Leipzig rund 500 Teilnehmende aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Industrie und Mittelstand erwartet.
„Im Mittelpunkt des Forums stehen dabei nicht parteipolitische Botschaften, sondern Erfahrungen, Projekte und Entscheidungen, die die Energieversorgung in den kommenden Jahren prägen“, erklärt Dietrich Enk, Präsident des Unternehmerverbands Sachsen und stellv. Sprecher der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlins. „An Analysen fehlt
es nicht. Entscheidend ist, was jetzt praktisch funktioniert – für Unternehmen, Kommunen und Verbraucher“.
Unter dem Leitgedanken „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ rückt die Energiekonferenz 2026 die Frage in den Mittelpunkt, wie Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Klimaschutz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbunden werden können.
Im Fokus steht u.a. Ostdeutschland als Energie- und Industrieregion mit besonderen Chancen: große Flächen für erneuerbare Energien, neue Speicher- und Netzprojekte, kommunale Wärmewende, Wasserstoffinfrastruktur und die Ansiedlung energieintensiver Zukunftsbranchen wie Rechenzentren.
Gleichzeitig beleuchtet das Ostdeutsche Energieforum 2026 die Energiezukunft aus europäischer Perspektive. Europas Strategie ist dabei zentraler Bezugspunkt für die Energiewende in unserer Region. Grenzüberschreitende Strom- und Wasserstoffinfrastrukturen, gemeinsame Reservekapazitäten und ein integrierter Strommarkt können Versorgung und Preise stabilisieren.
Ostdeutschland liegt dabei strategisch günstig – als Brücke zwischen Nordsee-Wind, Ostsee-Offshore, polnischen Netzknoten und süddeutschen Lastzentren.
Programmschwerpunkte im Überblick:
Kosten und Nutzen von Verlässlichkeit bei der Energieversorgung
Ein Schwerpunkt ist die Frage, wie viel politische und wirtschaftliche Verlässlichkeit in der Energieversorgung kostet – und welchen Nutzen sie für Unternehmen, Kommunen und Verbraucherinnen und Verbraucher bringt. Diskutiert werden soll, wie Politik Energiesicherheit konstruiert und welche Rahmenbedingungen nötig sind, damit Investitionen in Netze, Speicher, erneuerbare Energien und neue Infrastrukturen planbar werden.
Seltene Rohstoffe und neue Abhängigkeiten
Ein weiteres Thema ist der Zugang zu seltenen Rohstoffen, die für Energiewende,
Speichertechnologien, Netze, Digitalisierung und industrielle Transformation unverzichtbar sind. Die Leitfrage lautet: Was haben wir davon, sie zu haben – und was bedeutet es, wenn sie knapp werden?
Hier geht es um neue strategische Abhängigkeiten, internationale Lieferketten und die Frage, wie Europa und Deutschland ihre Rohstoffsicherheit stärken können.
Populär und vernünftig: Akzeptanz der Energiewende
Die Energiewende ist nicht nur eine technische oder wirtschaftliche Aufgabe, sondern auch eine gesellschaftliche. Unter dem Stichwort „Populär und vernünftig“ geht es um die Durchsetzungskraft der Verbindung: Wie können energiepolitische Entscheidungen so gestaltet werden, dass sie
fachlich sinnvoll und zugleich gesellschaftlich akzeptiert sind? Im Zentrum steht die Frage nach Verlässlichkeit: Sind politische Grundsätze und Festlegungen für die Energiewende ökonomisch und politisch eher Fluch oder Segen? Damit verbindet sich auch die Frage, wie Kommunikation, Beteiligung und regionale Wertschöpfung die Akzeptanz vor Ort stärken können.
Kommunale Strategien: Aufbau der Wärmewende
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf den Kommunen. Die Wärmewende entscheidet sich vor Ort: in Stadtwerken, kommunalen Unternehmen, Quartieren und regionalen Verbünden. Das Thema lautet: „Kommunale Strategien: Umbau und Aufbau – Wem nutzt die Wärmewende?“ Wärmeplanung, Fernwärme, Wasserstoff, industrielle Abwärme und soziale Bezahlbarkeit zusammengedacht
werden können.
Strategien der Energiebereithaltung: Kooperation gegen Überschüsse und Mangel
Ein weiteres Themenfeld befasst sich mit der Frage, wie Energiesysteme mit Schwankungen umgehen: Mal gibt es Überschüsse aus Wind und Sonne, mal Mangel. Das Thema lautet: „Strategien der Energiebereithaltung: Optimierungen und Kooperationen gegen Überschüsse und
Mangel“. Dabei geht es auch um die praktische Frage, wie Speicher, Netze und flexible Verbraucher besser zusammenspielen können.
Netze und Speicher als Grundlage der Energiewende
Eng damit verbunden ist das Thema „Netze vs. Speicher“. Leitfrage: Sind Netze und Speicher in der Energiewende Gegenspieler – oder brauchen wir sie als strategisch Verbündete? Die Perspektive ist klar: Für ein stabiles Energiesystem braucht es beides. Netze ermöglichen Ausgleich über Regionen hinweg, Speicher schaffen Flexibilität vor Ort und zeitliche Verschiebung. Besonders relevant ist die Frage: Wie bringen wir Netze und Speicher zusammen? Woran hängt es? Was soll
die Politik anpacken?
Kapazitäten schaffen: Rechenzentren als neue Energieakteure
Ein zukunftsgerichtetes Thema ist die Ansiedlung von Rechenzentren. Die Frage lautet: Sind Überproduktionen aus erneuerbaren Energien geeignet, Rechenzentren effizienter zu betreiben? Dabei geht es um den Zusammenhang von erneuerbarer Energie, Digitalisierung und Standortpolitik. Ostdeutschland könnte den wachsenden Bedarf an Rechenleistung – etwa durch KI-Anwendungen – mit regional verfügbaren erneuerbaren Energien verbinden. Auf dem Board steht dazu die Leitfrage: Wie kann Ostdeutschland den KI-Boom unter Anwendung seiner Überproduktion von erneuerbarer Energie nutzen?
Kurz & bündig
September bis 1. Oktober 2026
Campus Jahnallee der Universität Leipzig & digital
Veranstalter: Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin/ federführender Verband: Unternehmerverband Sachsen e.V.
Anmeldung und Programm: www.ostdeutsches-energieforum.de
