Ostdeutschland will die Energiewende nicht nur mittragen, sondern wirtschaftlich von ihr profitieren. Beim 15. Ostdeutschen Energieforum am 30. September und 1. Oktober in Leipzig diskutieren mehr als 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Kommunen über bezahlbare Energie, sichere Netze und Speicher, neue Rohstoffquellen und den wachsenden Strombedarf von Industrie und Künstlicher Intelligenz. Unter dem Leitmotiv „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ geht es um eine Frage, die inzwischen Deutschland und Europa gleichermaßen beschäftigt: Wie lässt sich die Energiewende so organisieren, dass Versorgungssicherheit, Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zusammen funktionieren?
„An Analysen fehlt es nicht. Entscheidend ist, was jetzt praktisch funktioniert – für Unternehmen, Kommunen und Verbraucher“, sagt Dietrich Enk, Präsident des Unternehmerverbands Sachsen und stellvertretender Sprecher der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin. Das Forum wolle deshalb konkrete Projekte, Erfahrungen und Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen – und weniger parteipolitische Grundsatzdebatten.
Netze, Speicher und Energiepreise: Die Versorgungssicherheit entscheidet
Im Zentrum steht die Frage, wie Deutschland sein Energiesystem stabil und bezahlbar hält. Der Ausbau erneuerbarer Energien verändert die Anforderungen an Netze und Speicher grundlegend. Gleichzeitig konkurrieren Batteriespeicher und neue Erzeugungsanlagen vielerorts um knappe Netzanschlüsse. Vertreter von Bundesnetzagentur, Energiewirtschaft, Speicherbranche und Bundespolitik diskutieren deshalb, wie Netze und Speicher besser zusammenspielen können. Es geht um die konkrete Architektur eines Energiesystems, das auch dann funktioniert, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern.
Für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist die wirtschaftliche Dimension entscheidend: „Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sind ganz entscheidend für uns als Industrienation.“ Die Energiewende müsse mit Augenmaß gestaltet werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im Blick behalten.
Rohstoffe, Energie und KI: Europas neue Standortfragen
Das Forum richtet den Blick zugleich über Deutschland hinaus. Energie- und Rohstoffsicherheit werden zu europäischen Standortfragen. Kupfer, Lithium und Zinn sind für Netze, Speicher, Digitalisierung und industrielle Produktion unverzichtbar. Ostdeutschland verfügt über relevante Vorkommen und konkrete Projekte – unter anderem in der Lausitz, im Erzgebirge und in Sachsen-Anhalt.
Die entscheidende Frage lautet: Kann aus heimischen Rohstoffen auch neue industrielle Wertschöpfung entstehen?
Europa will seine Abhängigkeit von internationalen Lieferketten verringern. Das Ostdeutsche Energieforum bringt deshalb deutsche und europäische Perspektiven zusammen und fragt auch, was von den Erfahrungen in Mittel- und Osteuropa gelernt werden kann.
Z. B. mit einem Praxisbericht aus Bulgarien. Das Land gehört weltweit zu den Spitzenreitern bei der Integration von Batteriespeichersystemen in das Stromnetz. Zumindest gemessen an der Wirtschaftsleistung und der Bevölkerungszahl. Das geht aus Angaben des Verbands Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) und des staatlichen Betreibers (ESO) in Bulgarien hervor. In den Fachmedien wird das Land gern als „Batterie des Balkans“ bezeichnet.
Ein zweiter Zukunftsbereich sind KI-Rechenzentren. Ihr hoher Strombedarf trifft auf den Ausbau erneuerbarer Energien und zunehmend knappe Netzkapazitäten. Ostdeutschland könnte dadurch zum Standort für neue digitale Infrastruktur werden. Voraussetzung sind jedoch leistungsfähige Netze, ausreichend Energie und Lösungen für Wasserverbrauch, Abwärme und Netzanschlusskosten.
Energiewende muss sich vor Ort rechnen
Ob die Transformation Akzeptanz findet, entscheidet sich auch in den Kommunen. Städte und Gemeinden müssen Wärmeplanung, Netzausbau und erneuerbare Energien organisieren – und gleichzeitig ihre Haushalte im Blick behalten.
Das Forum diskutiert deshalb, wie Kommunen stärker von neuen Energieanlagen, Speichern und Rechenzentren profitieren können. Die vier ostdeutschen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke, Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt verbindet dabei eine gemeinsame Forderung: Ostdeutschland will nicht nur Energie für die Transformation liefern, sondern Investitionen, Arbeitsplätze, Gewerbesteuern und neue Wertschöpfung in den Regionen halten.
Auch die Wärmewende wird unter diesem Blickwinkel diskutiert: Fernwärme, industrielle Abwärme, Wasserstoff und neue Wärmequellen müssen finanziert werden, ohne Unternehmen und Haushalte zu überfordern.
Automobilindustrie zwischen Energiewende und internationalem Wettbewerb
Wie eng Energie- und Industriepolitik inzwischen verbunden sind, zeigt ein neues SuperIllu-Panel zur Zukunft der Automobilindustrie. Hohe Investitionen, internationale Konkurrenz und die bislang verhaltene Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stellen Hersteller und Zulieferer vor erhebliche Herausforderungen.
Der frühere Opel-Kommunikationsmanager Harald Hamprecht diskutiert mit Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter und Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbandes Automotive Thüringen e.V. darüber, wo die Transformation der Autoindustrie an Grenzen stößt und welche Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit sichern können.
Pragmatismus statt neuer Grundsatzkämpfe?
Zum Abschluss des Forums geht es um die politische Dimension der Energiewende. Journalist und Podcaster Paul Ronzheimer und Politikwissenschaftler Wolfgang Muno diskutieren, wie viel politische Verlässlichkeit Energie- und Investitionsentscheidungen benötigen, wo Kurskorrekturen notwendig sind und wie energiepolitische Entscheidungen gesellschaftlich vermittelbar bleiben.
Im Osten was Neues – Sieben Startups bringen frischen Wind in die Energiebranche
Im Rahmen des 15. Ostdeutschen Energieforums präsentiert das SpinLab – The HHL Accelerator – sieben innovative junge Unternehmen aus Ostdeutschland. Die vorgestellten Startups zeigen mit frischen Ideen und Technologien, wie Energie und Umwelt zukunftsweisend gestaltet werden können. Das Spektrum der vorgestellten Innovationen reicht von KI-Software für Biogasanlagenbetreiber über Lösungen für kritische Infrastrukturen bis hin zu neuen Konzepten der Bürgerbeteiligung bei der Energiewende oder Drohnenabwehr.
Neu: Eigener Podcast gibt der ostdeutschen Energiebranche eine Stimme
Mit „Spannungsfeld – Der Ostdeutsche Energie Podcast“ startet auf dem Ostdeutschen Energieforum erstmals ein eigenes Audioformat. Der Podcast versteht sich als neue mediale Stimme der ostdeutschen Energiewirtschaft und greift künftig regelmäßig die zentralen Themen der Branche auf: Versorgungssicherheit, Netzausbau, Strukturwandel und die Zukunft von Wasserstoff und erneuerbaren Energien in der Region.
Produziert wird der Podcast von der Leipziger Podcast-Agentur PodcastPartners in Kooperation mit dem Ostdeutschen Energieforum und dem Unternehmerverband Sachsen. „Spannungsfeld“ ist überall kostenlos zu hören, wo es Podcasts gibt. Startschuss des neuen Podcasts ist am 30. September und 1. Oktober mit einer eigenen Podcast-Lounge, auf der Live-Gespräche mit Gästen des Forums präsentiert werden.
Link zum Podcast: https://spannungsfeld-podcast.podigee.io/
Mit seinem Programm versteht sich das Ostdeutsche Energieforum 2026 ausdrücklich als bundesweites und europäisches Arbeitsforum für die Energiezukunft. Ostdeutsche Erfahrungen treffen auf europäische Strategien – von Netzen und Speichern über Rohstoffe und Industrie bis hin zu Digitalisierung und Wärmewende. Die Leitfrage lautet dabei nicht mehr allein, wie schnell die Energiewende gelingt. Es geht zunehmend darum, wie sicher, bezahlbar und wirtschaftlich tragfähig sie gestaltet werden kann.
Das 15. Ostdeutsche Energieforum findet am 30. September und 1. Oktober 2026 auf dem Campus Jahnallee der Universität Leipzig sowie online statt. Veranstalter ist die Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin, federführender Verband ist der Unternehmerverband Sachsen e.V.
Anmeldung und Programm: www.ostdeutsches-energieforum.de
